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Demokratische Werte - Konturen einer demokratischen Schulkultur

Werte bilden das Fundament für ein gelingendes Zusammenleben sowohl in kleinen Gruppen als auch in großen Gemeinschaften. Sie geben Orientierung und ermöglichen die Unterscheidung von Gut und Böse. Sie verdeutlichen, was anstrebenswert oder besser zu unterlassen ist. Als Basis sind die Menschenrechte zu sehen, die auch Schulleitung und Lehrkräfte in ihrer täglichen Auseinandersetzung mit Normen und Werten den Schülerinnen und Schülern vorleben, um auf diese Weise zur Entwicklung von demokratisch gesinnten Persönlichkeiten beizutragen.

Die Gegenstände der schulischen Werteerziehung leiten sich insbesondere aus den Erziehungs- und Bildungszielen ab. Für Bayern gelten verbindlich für alle Schulen die obersten Erziehungs- und Bildungsziele, Artikel 131 BayVerf. Die Ziele, die die Bayerische Verfassung hier vorgibt, spiegeln auch die freiheitlich-demokratischen Grundwerte des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland wider.

Als zu vermittelnde demokratische Werte sind besonders die Würde des Menschen sowie die Freiheit, Gleichheit, Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, Gerechtigkeit, Solidarität oder der innere und äußere Friede zu nennen.

Diese Werte sind nicht privater, sondern öffentlicher Natur, denn sie sichern das Zusammenleben der Menschen und sind deshalb nicht verhandelbar. Diesen Werten ist daher auch ein hoher Stellenwert im Unterricht und im gesamten Schulleben einzuräumen.

Allerdings lassen sich Werte nicht nachhaltig wie Fachwissen vermitteln. Dafür gibt es aus wissenschaftlicher Sicht keinen Beleg. Auch bedeutet das rein kognitive Wissen über Werte nicht zwingend, dass beispielsweise bei den Schülerinnen und Schülern ein Prozess der Wertebildung angestoßen wird. Damit Werte tatsächlich gelebt werden, müssen sie vom Subjekt selbst gefunden und bejaht werden (Standop, 2005).

Bei der „Werteerziehung“ handelt es sich daher um einen ko-konstruktiven Prozess, bei dem die Bereitschaft der Adressaten, sich darauf einzulassen und ihn aktiv zu gestalten, einen wesentlichen Erfolgsfaktor darstellt. Auch aus diesem Grund gestaltet sich die Rolle und die Verantwortung von Schule sehr groß, muss sie doch täglich aufs Neue ein Umfeld schaffen, in dem alltagsdemokratische Werte wie etwa Beteiligung, Toleranz, Gleichbehandlung etc. in einem sozialen Nahraum erfahren und eingeübt werden können.

Dies gelingt u. a. durch einen funktionierenden Informationsaustausch zwischen allen Gruppen und Mitgliedern. Denn dieser sorgt für eine konstruktive Kommunikation und gelingende Kooperation. Schülerinnen und Schüler lernen — im Sinne von mündigen Bürgern und Bürgerinnen — v. a. dann selbstbestimmt und reflektiert zu handeln, wenn Meinungsunterschiede benannt, Konflikte angesprochen, unterschiedliche Positionen diskutiert und am Ende Entscheidungen transparent getroffen werden. Auf diese Weise werden wesentliche Elemente einer demokratischen Schulkultur, nämlich die demokratische Streitkultur und das Prinzip der Mehrheitsentscheidung bei gleichzeitiger Beachtung des Minderheitenschutzes, verankert.

Natürlich agiert die Schule dabei als Institution nicht autonom. Sie handelt im Rahmen einer rechtsstaatlichen Ordnung auf der Basis von Gesetzen und Verordnungen. Deshalb gehört zu einer demokratischen Schulkultur immer auch die Anerkennung des rechtlichen und organisatorischen Rahmens, in dem sich die einzelne Schule mit ihrem spezifischen Auftrag bewegt. Dadurch sind auch Grenzen von Mitbestimmung und Mitentscheidung vorgegeben.

Für alle Mitglieder der Schulgemeinschaft, aber insbesondere für die Schülerinnen und Schüler ist es notwendig, die normsetzende Bedeutung von Recht und Gesetz anzuerkennen und positiv zu würdigen.


Weiterführende Hinweise

„Gütesiegel Demokratie - Verantwortung (er)leben!“ der Bayerischen Landeszentrale für politische Bildungsarbeit

„Pack es an" - Hip-Hop der Münchner Band EINSHOCH6 zum gesellschaftlichen Engagement mit Materialien für den Unterricht.

Gemeinsam Fairhandeln: Jugendliche entwickeln gemeinsam Regeln für das Zusammenleben in Schule und Gesellschaft.