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Politische Bildung » Schulkultur und Schulentwicklung » Partizipationsmöglichkeiten in der Schule

Wie kann Partizipation in der Schule verwirklicht werden?

Schule ist als staatliche Bildungsinstitution an einen gesellschaftlichen Bildungsauftrag und an den rechtlichen Rahmen des Schulgesetzes des jeweiligen Bundeslandes gebunden, der für sie verpflichtend ist. Dennoch gibt es vielfältige Konzepte, die es Schülerinnen und Schülern ermöglichen, demokratische Mitsprache, Mitbestimmung und Mitgestaltung in der Schule zu erleben. Demokratieförderung bedeutet in diesem Sinne auch, systembedingte Einschränkungen transparent zu machen und zu erklären. Das kann z. B. im Unterricht geschehen, indem am Anfang des Schuljahres mit den Schülerinnen und Schülern der gemeinsame Lehrplan besprochen wird und die dort vorgegebenen Rahmenbedingungen erläutert werden. Nachfolgend finden Sie eine Auswahl von sich in der Praxis bewährten Möglichkeiten, die einer demokratischen Schulkultur förderlich sind.

Möglichkeiten der Partizipationsförderung von A-Z

Weiterführende Informationen zu den nachfolgenden Vorschlägen erhalten Sie über den jeweiligen Link!

Demokratische Mitsprache- und Aushandlungsprozesse zwischen Vertreterinnen und Vertretern möglichst aller Beteiligtengruppen lassen sich auch in Form von Aushandlungsgruppen institutionalisieren. Diese Gruppen sind i. d. R. paritätisch besetzt durch Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte sowie ggf. pädagogisches Personal, Eltern und möglichst auch aus Stellvertretern weiterer Kooperationspartner der Schule. Dabei müssen die Vertreterinnen und Vertreter nicht zwingend aus den Gremien SMV und Elternbeirat kommen.

Schülerinnen und Schüler im Debattieren zu schulen, bedeutet auch eine Stärkung ihrer Demokratiefähigkeit. Denn sowohl eine Rede- als auch eine Streitkultur gehört zur Grundlage jeder demokratischen und pluralistischen Gesellschaft. Argumente glaubwürdig und stichhaltig vermitteln zu können, erscheint dabei ebenso wichtig wie das aufmerksame Zuhören und das Aufeinandereingehen.

Das Deliberationsforum beschreibt ein Lehr- und Lernsetting, in dem die Beteiligten unterschiedliche Perspektiven, Ansichten und Meinungen zu einem speziellen schulinternen oder aber auch gesellschaftspolitischen Thema „delibrieren" (deliberare: lat. erörtern). Wert wird dabei auf demokratisches Sprechen und Mitsprache gelegt. Im Rahmen eines solchen Forums kann eine relativ hohe Anzahl an potenziell Beteiligten erreicht werden. Das Forum selbst wird von einer kleineren Projektgruppe organisiert, vorbereitet und durchgeführt, wodurch hier ein projektorientiertes Mitgestalten von Lehr- und Lernkontexten ermöglicht wird.

Ein wichtiger Schritt in Richtung einer demokratischen Schulkultur ist die Etablierung einer wechselseitigen Feedbackkultur zwischen Lehrenden und Lernenden. So gilt es als Lehrkraft, den Schülerinnen und Schülern regelmäßig wertschätzende Rückmeldungen zu geben, die ihre Leistungen anerkennen, allerdings nicht beschönigen. Ebenso sollten die Heranwachsenden die Möglichkeit bekommen, der Lehrkraft ein Feedback zukommen zu lassen.

Um Demokratie in kleinen Schritten zu üben, bietet sich bereits ab der Primarstufe der Klassenrat an. Der Klassenrat (Zeit für uns) fördert als Austauschforum das demokratische Miteinander in einer Klasse. In regelmäßigen Sitzungen erhalten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, über selbst gewählte Themen zu beraten, zu diskutieren und zu entscheiden. Dabei gibt die Vergabe fester Rollen und die Festlegung von Regeln einen verbindlichen Rahmen für den Verlauf der Sitzungen.

Der Ansatz des Philosophierens mit Kindern kann in allen Fächern eingesetzt werden und so einen Beitrag zur Politischen Bildung leisten. Beim Philosophieren mit Kindern und Jugendlichen beschäftigen sie sich mit wichtigen Sinnfragen menschlicher Existenz. Durch die Auseinandersetzung mit Fragestellungen, auf die es keine eindeutigen Antworten gibt, schulen die Heranwachsenden Fähigkeiten für das Leben in einer demokratischen und pluralistischen Gesellschaft, in der ein gelingendes Zusammenleben immer wieder Diskurse benötigt. 

Unter Lernen durch Engagement (engl. Service-Learning, Abk. LdE) versteht man eine Lehr- und Lernmethode, die gesellschaftliches Engagement von Schülerinnen und Schülern mit fachlichem Lernen im Unterricht verbindet. Das Engagement der Kinder und Jugendlichen kann sich dabei z. B. auf kulturelle, ökologische, politische oder soziale Themen beziehen. Wichtig ist, dass die Schülerinnen und Schüler ihr Engagement als sinnhaft erfahren, d. h. sie engagieren sich nicht losgelöst von fachlichen Inhalten und erleben das Projekt deshalb als wertvoll, da sie sich für „echte” Bedürfnisse engagieren.

Die Schülermitverantwortung stellt für Heranwachsende ein wichtiges Gremium zur Partizipation am schulischen Leben dar. In verschiedenen Ämtern und Arbeitskreisen der SMV und in der Ausführung von Projekten und Veranstaltungen können Schülerinnen und Schüler Verantwortung übernehmen. Dabei haben sie die Möglichkeit, im geschützten Raum der Schule zu lernen, sich für ihre Interessen einzusetzen und aktiv ihr Schulleben mitzugestalten.

Zeitungen sind ein wesentlicher Bestandteil unserer Demokratie, nicht umsonst schützt das Grundgesetz im Artikel 5 das Grundrecht der Presse- und Rundfunkfreiheit. Denn Zeitungen - egal ob gedruckt oder digital - erfüllen eine wichtige Aufgabe, die darin besteht, die Öffentlichkeit zu informieren. Bei der Herausgabe von Schülerzeitungen vertiefen Schülerinnen und Schüler nicht nur ihre Schreib- und Lesefähigkeit, sondern die selbstständige und kreative Arbeit im Team sowie das praktische Einüben von verantwortungsbewusster Meinungsäußerung leisten auch einen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung und Mündigkeit.

An allen Schulen mit Ausnahme der Grundschule und der Berufsschule wird ein Schulforum eingerichtet. Als gesetzlich vorgeschriebene Einrichtung zur Mitgestaltung des schulischen Lebens bietet es allen Mitgliedern der Schulfamilie ein Austauschforum zur Teilhabe.

Das Schulentwicklungsprogramm bietet einen wichtigen Beitrag zur Implementierung von Politischer Bildung, denn hier bündelt die Schule kurz- und mittelfristige Entwicklungsziele und Maßnahmen der Schulgemeinschaft unter Berücksichtigung der gesetzten Zielvereinbarungen (vgl. Art. 2 Abs. 4 Satz 4 BayEUG). Die derzeitige Einführung des LehrplanPLUS, Vereinbarungen des Kollegiums zur Umsetzung der fächerübergreifenden Bildungsziele sowie die mögliche Entwicklung eines schulinternen Curriculums zur Politischen Bildung bieten vielfältige Synergieeffekte, die ins Schulentwicklungsprogramm einfließen können. (Vgl. Gesamtkonzept, S. 35)

An manchen Schulen wurde ein sogenanntes Schulparlaments etabliert, in dem Fragen des schulischen Lebens und Lernens diskutiert werden können. In diesem Forum kommen Vertreter der Schülerinnen und Schüler, der Eltern, der Lehrkräfte sowie der Schulleitung zusammen. Ähnlich wie im Schulforum können hier konkrete schulische Fragen diskutiert und entschieden werden. Dabei eröffnet das Schulparlament aber den Raum für einen noch intensiveren Austausch der verschiedenen Vertreter der Schulfamilie, so dass ein umfassenderes Meinungsbild erhoben werden kann.

In Tutorenprogrammen (z. B. Unterstufentutoren, Streitschlichter) erhalten Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, Schulleben auf unterschiedliche Weise mitzugestalten, indem sie Verantwortung übernehmen und sich engagieren. Die Tutorinnen und Tutoren erhalten in einem speziellen Bereich eine altersgerechte Ausbildung und lernen, ihre besonderen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Neben den fachlichen Zielen der unterschiedlichen Programme fördert die Tutorentätigkeit zudem überfachliche Kompetenzen, die zur Stärkung ihrer Demokratiefähigkeit beitragen können.

Freie Wahlen sind ein wichtiges Grundelement unserer demokratischen Gesellschaftsordnung. Denn politische Mitbestimmung beruht auf den Bürgerrechten, erfordert aber vom Einzelnen ein grundlegendes Maß an politischem Wissen sowie Orientierungs- und Urteilsfähigkeit, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können. In konventionellem Sinne bleibt diese Form der Mitbestimmung Kindern und Jugendlichen bis zur Vollendung des 18. Lebensjahrs verschlossen. In der Schule erhalten die Heranwachsenden aber durch die Verankerung der Schülermitverantwortung im Schulgesetz ähnliche Strukturen, die ihnen ermöglichen, ihre Vertreterinnen und Vertreter sowie ihre Verbindungslehrkäfte zu wählen.

Weiterführende Hinweise

Projekte

Je nach Thema und Ausrichtung können auch Projekte eine Möglichkeit von Partizipation darstellen. Anregungen finden sich unter Projektbeispiele.